73. Führungsgespräch: Marketing Weiterdenken

Angesichts der Digitalisierung und des mit ihr einhergehenden disruptiven Wandels steht das Marketing im Sinne einer marktorientierten Unternehmensführung in vielen Unternehmen auf dem Prüfstand und muss sich anpassen, um zukunftsfähig zu bleiben. Doch wie genau kann diese Adaption aussehen? Rückt der Kunde in einer digitalen Welt wieder in den Mittelpunkt des Unternehmens, wie vom Marketing eigentlich seit seinen Ursprüngen gefordert? Welche weiteren Erfolgsfaktoren und Herausforderungen gibt es in Zukunft, wie wichtig ist beispielsweise die physische Präsenz einer (Online-)Marke heute noch?

Diesen und ähnlichen Fragen stellte sich die Wissenschaftliche Gesellschaft für marktorientierte Unternehmensführung im Rahmen ihres 73. Führungsgesprächs am 09. Und 10. November in Leipzig. Anlässlich des 80. Geburtstages von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Heribert Meffert – Mitgründer der Wissenschaftlichen Gesellschaft und Nestor der Marketingdisziplin in Deutschland – ist im Vorfeld das Sammelwerk „Marketing Weiterdenken“ mit Beiträgen von über 30 Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Unternehmensführung entstanden, die mögliche Zukunftspfade marktorientierter Unternehmensführung darin aus sehr unterschiedlichen Perspektiven reflektierten. Das Werk wurde im Rahmen des Führungsgespräches überreicht und bot den Anlass, Marketing gemeinsam vor den einzigartigen Kulissen der Alten Börse sowie des Gewandhauses zu Leipzig „weiterzudenken“.

Sowohl Vertreter erfolgreicher Digitalunternehmen als auch etablierte Player wurden hierbei zu Wort gebeten. Weitgehende Einigkeit bestand darüber, dass zwar Kundenzentrierung heute ein entscheidender Erfolgsfaktor ist, doch nur in Verbindung mit einer entsprechenden Wachstumsorientierung und einem überzeugenden Unternehmens-Purpose – dem „Warum“ hinter allem Handeln – tatsächlich zum Erfolg führen kann. Weiterhin wurde deutlich, dass die Trennung zwischen digitalen und etablierten Playern bei dieser Diskussion eigentlich nicht länger zeitgemäß ist. Beide müssen sich aktuell sehr ähnlichen Herausforderungen stellen, wie beispielsweise der ständigen Disruption von Geschäftsmodellen, vor allem durch den asymmetrischen Wettbewerb mit dem großen Konkurrenten Amazon, oder der langfristigen Bindung bzw. Rückgewinnung von Kunden durch den direkten Kundendialog sowie die intelligente Nutzung von Kundendaten.

Um diesen Herausforderungen gerecht werden zu können, bedarf es allerdings genau jener Agilität des Marketings, die durch den Titel des Führungsgesprächs, „Marketing Weiterdenken“, bereits impliziert wurde. Dieser kann somit in diesem Sinne als direkte Aufforderung an Wissenschaft und Unternehmenspraxis verstanden werden.

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